Die Top 5 der denkbar lesenswertesten Bücher für den Sommerurlaub

leseempfehlung

Auch wenn dieses Jahr die Abenteuer in der Realität für viele nur eingeschränkt möglich sein werden, sollte man nicht auf ein gutes Buch verzichten. Das richtige Buch kann einen, ganz ohne Ortswechsel, in andere Welten, Köpfe und Abenteuer manövrieren. Wir haben für euch in unseren Bücherregalen gekramt und nach Literatur gesucht, die verzaubert, berührt, inspiriert und angenehm zu lesen ist.  

Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später (2017)

Márta und Johanna sind seit ihrer Kindheit eng befreundet. Das Leben hat Márta in eine deutsche Großstadt und Johanna in den Schwarzwald verschlagen. Nun, in der Mitte ihres Lebens angekommen, fragen sich beide, ob es das schon war. Márta, die mit drei Kindern und einem zu oft abwesenden Mann kämpft, und Johanna, die allein lebt, als Lehrerin arbeitet und nebenbei versucht, ihre Doktorarbeit zu schreiben. Die Freundinnen schreiben sich über gute drei Jahre Briefe, in denen sie sich über ihre großen Fragen an das Leben aber auch über das Kleinklein ihres Alltags austauschen.

Bánk schreibt in einer dazu passenden Sprache, die sich besonders durch bildhafte Adjektive auszeichnet und oft poetisch ist. Ihren Protagonistinnen gibt sie eine Vorliebe für das sonst im Deutschen selten gebrauchte Futur II, was den Text ebenfalls auf besondere Weise durchzieht.

Es ist ein Buch für diejenigen, die sich ebenfalls fragen, ob da noch etwas kommt im Leben; für die, die sich von gelegentlich nicht alltäglicher Sprache nicht abschrecken, sondern im Gegenteil, verzaubern lassen mögen; und für die, die schon lange ahnten, dass in unserem Alltag immer auch die ganz großen Fragen der Menschheit mitschwingen.

(Buchempfehlung von Birgit Steinborn)

Schlafen werden wir später - Bánk, Zsuzsa

Armistead Maupin: Stadtgeschichten (im Original 1978)

Dies ist ein ganzes Geschichtenepos, das die Leser mit auf eine Reise in das San Francisco der 1970er und 1980er Jahre nimmt. Dort, in der Barbary Lane 28, trifft man auf eine sehr bunte WG: die etwas verplante, aber durchaus aufstrebende Mary Ann Singleton, den sexversessenen Brian Hawkins, die noch in den 1960er verharrende Mona Ramsey, Michael „Mouse“ Tolliver – immer auf der Suche nach „Mr. Right“ und ihre Marihuana anbauende Vermieterin Mrs. Madrigal. Ausgehend von hier (und auch immer wieder hierher zurückkehrend) verfolgen die Geschichten die unterschiedlichen Charaktere auf der Suche nach ihrem persönlichen Lebensglück. Ganz nebenbei taucht man als Leser ein in ein Stück Zeitgeschichte, in die unterschiedlichen Welten der LGBTQ+ Community und natürlich in diese wunderbare Stadt am Pazifik.

Die deutsche Übersetzung (von Heinz Vrochta) ist leider nicht immer gut gelungen. Wer sich dem Englischen mächtig fühlt, sollte deshalb unbedingt auf das Original (Tales of a city) zurückgreifen.

Wer sich gerne von Geschichten aufsaugen lässt, ist bei Maupin bestens aufgehoben. Man kann einfach nicht mehr aufhören zu lesen. Seine Charaktere sind bei all ihrer Schrulligkeit so liebenswert, dass man sie am Ende des letzten Bandes schmerzlich vermisst.

(Buchempfehlung von Birgit Steinborn)

Tales Of The City: Tales of the City 1: Amazon.de: Maupin ...

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann (2019)

Den Einband des Buches ziert ein Okapi. Wenn dieses ungewöhnliche Tier Selma, einer der Protagonistinnen dieses Buches, im Traum erscheint, weiß sie, dass der Tod in ihr Dorf kommen wird. Wen es treffen wird, kann sie allerdings nicht vorhersehen, so dass jedes Mal nach einem solchen Traum eine große Unruhe unter den Bewohnern entsteht…

Was bis hierhin wenig „sommerlich“ anmuten mag, ist jedoch tatsächlich ein liebevoll erzähltes Porträt eines Dorfes voller sehr eigenwilliger Charaktere. Zudem schafft Leky noch einen mindestens genauso wichtigen Gegenpol zum Tod: die Liebe. Im Fall dieser Geschichte geht es vor allem um die Liebe unter schwierigen Vorzeichen – vom Nicht-gesehen-werden, von Liebe über große Distanz oder auch zu einem ungünstigen Moment,…kurz, um Liebe, wie sie eben meistens in unser Leben tritt.

Beim Lesen durchlebt man die ganze Klaviatur der Gefühle und spürt eine große Nähe zu den Dorfbewohnern – selbst zu denen, die auf den ersten Blick wenig sympathisch erscheinen.

(Buchempfehlung von Birgit Steinborn)

Was man von hier aus sehen kann

Nino Haratischwili: Das achte Leben (2017)

Das achte Leben ist ein fulminantes Epos, dessen Inhalt kaum in wenige Worte zu fassen ist. Die Geschichte spielt in Georgien und beginnt in der vorsowjetischen Zeit. Das Leben von fünf Generationen der Familie Jaschi wird in dem 1275 Seiten umfassenden Buch von einer Ich-Erzählerin beschrieben. Während der Urgroßvater der Erzählerin noch wohlhabend von dem Ruhm seiner Schokoladenfabrik in der Kleinstadt Kutaissi zehren konnte, leiden die folgenden Generationen, die sich überwiegend aus weiblichen Figuren zusammensetzen, unter der Gewalt und dem Leid, die die Kriege und der Aufbau und Zerfall der Sowjetunion mit sich bringen.

„Die Geschichten überlappen sich, gehen ineinander über, verwachsen – ich versuche, dieses Wollknäuel auseinanderzuziehen, weil man die Dinge ja nacheinander erzählen muss, weil die Gleichzeitigkeit der Welt nicht in Worte zu fassen ist.“ (S.521) – ein Roman, der in seiner sprachlichen Schönheit kaum zu übertreffen ist und die Konsequenzen der politischen Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts in Europa für den Einzelnen, insbesondere für die Frauen, in all ihrer Schönheit, Brutalität und auch Traurigkeit darstellt.

(Buchempfehlung von Frederike Jesse)

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Dörte Hansen: Mittagsstunde (2018)

Ingwer Feddersen, der an der Uni in Kiel als Ärchologe arbeitet, kehrt in seinem Sabbatjahr in sein Heimatdorf Brinkebüll in Nordfriesland zurück. Dort wuchs er bei seinen Großeltern und seiner wahnsinnigen Mutter Marret auf, die, aufgrund ihrer ständigen Prophezeiungen des Untergangs, von den anderen Dorfbewohnern nur Marret Ünnergang genannt wurde. Seine Mutter ist mittlerweile tot und seine beiden Großeltern pflegebedürftig. Der prophezeite Ünnergang ist tatsächlich für das Dorf Brinkebüll ein wenig eingetreten. Die einst so romantische Dorfidylle musste der Flurbereinigung weichen, die zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen mit sich zog. Ingwer schwelgt in Erinnerungen, arbeitet seine Vergangenheit auf, reflektiert seine ins Nichts führende Beziehung zu seiner Mitbewohnerin und kümmert sich liebevoll um seine Großeltern. Während seines Aufenthaltes macht er sich auf die Spuren seiner Vergangenheit und stößt dabei auf einige Überraschungen.

Die Story klingt auf dem ersten Blick banal, aber der Dorf- und Familienroman zeichnet detaillierte Porträts der verschiedenen Figuren, die den Typus „Nordfriese“ in seiner Schnoddrigkeit und herzlichen aber immer leicht unterkühlten Art, so wunderbar widergibt. Als Nordfriesin kann ich nur sagen, dass das Lokalkolorit dieses einsamen und rauen Landkreises, der gleichzeitig aber mit seiner atemberaubend schönen Weite beeindruckt, nicht besser hätte in Worte gefasst werden können.

(Buchempfehlung von Frederike Jesse)

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